Weltnaturerbe Hohe Tauern und Donau-March-Thaya-Auen?!

Nationalpark Hohe TauernALLIANCE FOR NATURE appelliert an die zuständigen Politiker, Beamten und Nationalparkdirektoren, die Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern als Weltnaturerbe gemäß UNESCO-Welterbe-Konvention zu nominieren. Denn schließlich sind nun auch der Salzburger und der Tiroler Anteil seitens der Weltnaturschutzunion IUCN, die die UNESCO in Fragen des Weltnaturerbes berät, international anerkannt worden.

Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern

Ursprünglich sollte der Nationalpark Hohen Tauern als gemischte Weltnatur- und Kulturerbestätte nominiert werden – nämlich die Kernzone als Naturerbe und die Großglockner-Hochalpenstraße als Kulturerbe. Letztendlich entschloss man sich, die Eintragung in zwei Etappen durchzuführen. Zuerst sollte die Kernzone des Nationalparks als Naturerbe in die UNESCO-Liste Eingang finden. Und dann sollte eine Erweiterung durch die Großglockner-Hochalpenstraße als Kulturerbe erfolgen. Doch schon in der Begutachtungsphase zeigte sich, dass die Kernzone des Nationalparks nicht den Kriterien entsprechen würde. Denn bis zum Sommer 2006 besaß nur der Kärntner Anteil des Nationalparks Hohe Tauern die internationale Anerkennung der IUCN, während der Salzburger und Tiroler Anteil jeweils zur sehr anthropogen beeinflusst waren. Demzufolge wurde der Antrag von österreichischer Seite noch vor dem Beschluss des Welterbe-Komitees zurückgezogen. Denn im Falle eines Beschlusses der "Nichteintragung" kann in der Regel eine nochmalige Anmeldung nicht vorgelegt werden.

"Da die seinerzeitigen Hindernisse nun ausgeräumt sind, sollte eine nochmalige Nominierung dieser faszinierenden Hochgebirgslandschaft als potentielle Weltnaturerbestätte erfolgen", muntert ALLIANCE-Generalsekretär Christian Schuhböck die Politiker und Beamten auf. "Seit einem halben Jahrzehnt hat die von Natur- und Kulturschätzen so reich gesegnete Alpenrepublik nichts mehr in das Erbe der Menschheit eingebracht", hält Schuhböck unmissverständlich fest: "Und dass Österreich, welches sich bisweilen auch gerne als Umweltmusterland bezeichnet, bis heute kein einziges Weltnaturerbe ausgewiesen hat, ist ohnedies schon seltsam genug!" Österreich hat bis dato nur Weltkulturerbestätten in das "Erbe der Menschheit" eingebracht: Schloss und Park von Schönbrunn, Altstadt von Salzburg, Kulturlandschaft Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut, Semmeringbahn mit umgebender Landschaft, Altstadt von Graz, Kulturlandschaft Wachau, historisches Zentrum von Wien, Kulturlandschaft Neusiedler See. Jedenfalls ist ALLIANCE FOR NATURE gerne bereit, den Bundesländern Kärnten, Salzburg und Tirol bei der Nominierung des Nationalparks Hohe Tauern als Weltnaturerbe behilflich zu sein.

Donau-March-Thaya-Auen samt Marchfeldschlösser

Nationalpark DonauauenEin weiteres Weltnaturerbe-Projekt wäre jenes an den Donau-March-Thaya-Auen. Niederösterreichs Landeshauptmann hat bereits das Kulturministerium ersucht, eine entsprechende Initiative der ALLIANCE FOR NATURE zu unterstützen. Der Nationalpark Donau-Auen besitzt seit längerem die IUCN-Anerkennung. Die Donau-March-Auen sind zudem gemäß Ramsar-Konvention ein für Wasser- und Watvögel international bedeutendes Feuchtgebiet. In Tschechien könnte das Weltnaturerbe-Gebiet an die bereits bestehende Welterbe-Kulturlandschaft Lednice-Valtice "andocken". Und gemeinsam mit der Slowakei könnte diese Region als trilaterales Welterbe-Gebiet ausgewiesen und als eine Art "Friedenspark" in das Erbe der Menschheit eingebracht werden.

Bislang haben sich die Beamten der NÖ Landesregierung jedoch geweigert, diese außergewöhnliche Auenlandschaft auf die entsprechende Vorschlagsliste an die UNESCO zu setzen. ALLIANCE FOR NATURE appelliert daher an die NÖ Landesregierung, endlich "grünes Licht" für die Nominierung der Donau-March-Thaya-Auen zu geben. "Man könnte diese herrliche Auenlandschaft gemeinsam mit den Marchfeldschlössern als gemischtes Weltnatur- und Weltkulturerbe nominieren", schlägt ALLIANCE-Beiratsvorsitzender Stefan Oberhauser zudem vor und hofft auf die Unterstützung der Marchfeldschlösser-Betreiber.

Österreichs Nationalparke als potentielle Welterbestätten

Die Hohen Tauern und die Donau-March-Thaya-Auen haben als recht gegensätzliche Landschaften in der österreichischen Geschichte des Natur- und Landschaftsschutzes etwas Gemeinsames. Zum einen waren beide Regionen großen Kraftwerksplänen ausgesetzt. In den Hohen Tauern sollten sämtliche Gletscherbäche an der Südabdachung der Venediger- und Glocknergruppe in das Kraftwerk Dorfertal-Matrei, dem größten in den Ostalpen geplanten Speicherkraftwerk, abgeleitet werden. In den Stopfenreuther Auen sollte das Kraftwerk Hainburg, das größte Laufkraftwerk an der österreichischen Donau, errichtet werden. Beide Kraftwerksprojekte konnten dank engagierter Naturschützer und Umweltorganisationen verhindert und die betroffenen Naturschönheiten in Nationalparke übergeführt werden. Österreich würde mit der Eintragung der Hohen Tauern und der Donau-March-Thaya-Auen in die Welterbe-Liste das eklatante Ungleichgewicht zwischen dem europäischen Natur- und Kulturerbe verbessern. Denn in ganz Mitteleuropa gibt es, sieht man von den Fossilienlagerstätten ab, nur eine einzige "lebende" Weltnaturerbestätte – die Hochgebirgslandschaft in den Berner Alpen rund um Jungfrau, Mönch und Eiger samt Aletschgletscher.