Neue Kraftwerke in Osttirol – Dammbrüche wider den Nationalpark Hohe Tauern?

Arik Brauer: "Rettet das Dorfertal"Vor rund 20 Jahren führten Alpin- und Umweltverbände einen erbitterten Kampf gegen das Osttiroler Speicherkraftwerk Dorfertal-Matrei, nach dessen Plänen sämtliche Gletscherbäche an der Südseite der Großvenediger- und Großglocknergruppe abgeleitet und energiewirtschaftlich genutzt hätten werden sollen.

Auch ALLIANCE FOR NATURE beteiligte sich mit der Initiative "Rettet das Dorfertal" am Schutz dieser wunderbaren Hochgebirgslandschaft. Nach der politischen Absage des Kraftwerks konnte schließlich der Nationalpark Hohe Tauern in Kärnten, Salzburg und Tirol länderübergreifend eingerichtet werden. Der Antrag für dessen Eintragung in die Welterbe-Liste, wie sie seitens der ALLIANCE FOR NATURE angestrebt wird, wurde jedoch von der Republik Österreich zurückgezogen, weil man eine Zurückweisung durch die IUCN bzw. UNESCO wegen zu vieler anthropogener Einflüsse im Salzburger und Tiroler Anteil des Nationalparks fürchtete. Anstatt der Erklärung zum Weltnaturerbe droht den Hohen Tauern nun eine entgegen gesetzte Entwicklung. In Salzburg wurden Pläne für ein Kraftwerk im Obersulzbachtal mit einer 70 m hohen Staumauer geschmiedet. In Osttirol lodert es gleich an mehreren Brennpunkten – direkt im Vorfeld des Nationalparks Hohe Tauern: Der Kalserbach am Fuße des Großglockners verschwindet bereits in einem Kraftwerk. In Prägraten wird das Kraftwerk Dorferbach gebaut, für das die Islitz dem natürlichen Bachbett entrissen und in einem Rohr dem Kraftwerk zugeleitet wird. Weiters stehen im Defereggen-, Debant- und Timmeltal sowie auf der Trojeralm Kraftwerke in Planung bzw. im Bau. Heftigen Widerstand seitens der Osttiroler Bevölkerung und mehrerer NGOs (Alpenverein, WWF) gibt es insbesondere gegenüber dem geplanten Pumpspeicherkraftwerk Ranneburg-Matrei mit einer rund 90 m hohen Staumauer. Pumpspeicherkraftwerke sind "besondere" Formen von Speicherkraftwerken, werden sie doch mit Hilfe von Pumpen aus tiefer gelegenen Gewässern gespeist. Das Pumpen erfolgt bei Nacht mit billigem Grundlaststrom aus Kohle- und Atomkraftwerken, damit bei hohem Strombedarf (zu Spitzenzeiten) der um vieles teurere Spitzenstrom erzeugt werden kann. Demnach stellt sich die Frage, ob dieses Kraftwerk der Energiegrundversorgung der Bevölkerung oder einer Gewinnmaximierung der Stromkonzerne dient – auf Kosten des Lebensraums der Osttiroler und ihrer Gäste sowie der Natur und der Nationalparkregion. Die Realisierung all dieser Kraftwerke – direkt an den Nationalparkgrenzen – würde letztendlich zum Etikettenschwindel der seit Jahren mit viel Fleiß und Einsatz aufgebauten Nationalparkregion führen. Der Schritt, die Nationalparkgrenzen auf Druck der Kraftwerkslobby nach oben – in höhere Regionen – zu verschieben, wäre dann nur noch ein kleiner. Die Folge wären "Dammbrüche wider den Nationalpark". "Wehret den Anfängen", mahnt eine der vielen Osttiroler Frauen, die – ähnlich wie vor 20 Jahren – gegen die Kraftwerksprojekte mobil machen. Die Betonklötze, die die welterbewürdige Gebirgslandschaft der Hohen Tauern verschandeln, hängen wieder einmal wie Damoklesschwerter über den Köpfen der betroffenen Bevölkerung.

Radierung von Arik Brauer

Ende der 1980er Jahre konnte ALLIANCE FOR NATURE (ehemals "Alpine Allianz") mit Hilfe der von Arik Brauer geschaffenen Radierung die Initiative "Rettet das Dorfertal" finanzieren, eine Reihe von Natur- und Umweltschutzorganisationen in einer Phalanx gegen das Speicherkraftwerk Dorfertal-Matrei bündeln und die Bauern des vom Kraftwerksprojekt bedrohten Kalser Dorfertals am Fuße des Großglockners durch die Bereitstellung von Viehtränken und Koppelzäune in der Fortsetzung ihrer traditionellen Berglandwirtschaft unterstützen.

Die Radierung sah eine limitierte Auflage von 400 Stück vor. Doch wurden aufgrund der politischen Absage des Kraftwerkprojektes im Jahr 1989 und des damit verbundenen Erfolg der Initiative "Rettet das Dorfertal" nur etwa 170 Stück aufgelegt und verkauft.
Aufgrund der wieder aufgeflammten Kraftwerksdiskussion hat sich Prof. Arik Brauer bereit erklärt, weitere 30 Stück für den neuerlichen Abwehrkampf bereitzustellen. Ein Exemplar dieser handsignierten und nummerierten Originalradierung ist um einen Betrag von EUR 500,- (zzgl. Versandspesen) bei ALLIANCE FOR NATURE erhältlich. Erwerben Sie die Radierung von Arik Brauer und unterstützen Sie damit den neuerlichen Kampf gegen die geplanten Kraftwerksprojekte in der Nationalparkregion.

"Wehret den Anfängen"

Helfen auch Sie mit, die Nationalparkregion vor den Kraftwerken zu bewahren: Bringen Sie Ihren Protest gegenüber dem Tiroler Landeshauptmann Dr. Herwig van Staa mit einem entsprechenden Schreiben zum Ausdruck!

Dr. Herwig van Staa
Altes Landhaus
Eduard-Wallnöfer-Platz 3
A-6020 Innsbruck

Netzwerk Wasser Osttirol

Zum Schutz der Flüsse und Bäche Osttirols hat sich eine überparteiliche Plattform gebildet.
Informationen unter http://www.wasser-osttirol.at