Kuba
– das Land der letzten Revolutionäre, die Insel der Kolonialstädte und
Palmenstrände, das Eldorado für Rum- und Zigarrenliebhaber, der
Inbegriff von
Rhythmus und Exotik. Und das alles im Rahmen einer Smokers-Club-Reise.
Zigarren und Zucker sowie das Welterbe Kubas standen im Mittelpunkt der
Smokers-Club-Leserreise im März 2006. Sowohl der kräftige Tabak der
weltberühmten Habana-Zigarren als auch das übermannshohe Zuckerrohr,
aus
dessen picksüßem Saft verschiedene Rumsorten, unter anderem der
bekannte „Havana
Club", hergestellt wird, als auch die Besichtigung der vielen
exotischen
Kolonialstädte bildeten ein Rahmenprogramm, das die Faszination dieser
Karibikinsel von seiner reizvollsten Seite widerspiegelte.
Doch bevor es soweit war, musste man erst einmal dem von „General Winter" fest in Besitz genommenen Europa entkommen. Aufgrund schneeverwehter Autobahnen und Rollpisten sowie vereister Flugzeuge verzögerten sich die Abflüge der Maschinen um Stunden, sodass die Teilnehmer aus Deutschland und Österreich erst in Havanna – und nicht wie ursprünglich vorgesehen in Amsterdam – zusammentrafen. Am Flughafen José Martí konnten aber schließlich doch alle Reiseteilnehmer von Dalina Aguila, der örtlichen und sehr kompetenten Reiseleiterin, empfangen und in das koloniale 4*-Hotel ‚Telegrafo’ geleitet werden. Nach Erledigung aller Formalitäten und dem obligaten Begrüßungscocktail konnte sich die elfköpfige Gruppe im erst kürzlich renovierten Hotel, direkt am Parque Central und am Beginn der ehemaligen Prachtstraße Paseo José Martí, vom Atlantikflug erholen. Nicht nur das ‚Telegrafo’ sondern auch viele andere Hotels und Herrenhäuser erstrahlen in neuem Glanz. Eusebio Leal Spengler, der Stadtrestaurator von Havanna, scheint tatsächlich ganze Arbeit zu leisten. Doch der Wettkampf zwischen Verfall und Wiederaufbau dieser außergewöhnlichen, von einer geradezu morbiden Schönheit gezeichneten Stadt inmitten der Karibik blieb den Reiseteilnehmern jedenfalls nicht verborgen.
In
den ersten Tagen dieser
Welterbe-Reise lernten sie La Habana Vieja – die Altstadt wurde bereits
1982
von der UNESCO zum „Welterbe der Menschheit" erklärt – von den
unterschiedlichsten Seiten kennen. Sowohl das Capitol, größer als sein
US-amerikanisches Vorbild, das opernhafte Theatro Lorca mit seiner
neoklassizistischen Fassade, das Bacardí-Gebäude im Art-Déco-Stil mit
der
hoch am Turm schwebenden Fledermaus, dem Wappentier dieses
weltbekannten Rums,
dazu das Pendant des „Havana Club"-Rums, die Giraldilla als Wahrzeichen
Havannas am Turm des Castillos des la Real Fuerza, der ältesten Festung
der
Stadt und zweitältesten der Neuen Welt, als auch der El Templete und
der
Palacio de los Capitanes Generales am Plaza de Armas sowie die nahe
gelegene
Catedral de la Habana versetzten die Teilnehmer in Entzücken und
Staunen. Auch
am Abend genoss die Gruppe das Flair und die Stimmung dieser
pulsierenden Stadt,
dessen Straßen und Gassen, durchflutet von Salsa-Musik, an jeder Ecke
zum
Verweilen einladen. Letztendlich entschloss sich die recht
lebenslustige Gruppe
zu einem Drink auf der Dachterrasse des Hotels Ambos Mundus, einem
kolonialen
Luxushotel direkt im Zentrum der Altstadt, in dem Ernest Hemingway eine
Zeit
lang seinen Hauptwohnsitz hatte. Schon die ersten „Mojitos" und
„Daiquiris"
sowie Habana-Zigarren versetzten die Reisenden in eine ausgelassene
Stimmung.
Tags darauf standen eine Stadtrundfahrt durch Havanna mit Oldtimern aus
den 50er
Jahren, der Besuch der Tropicana-Show und eine Führung durch die von
würzigem
Aroma luftgeschwängerten Partagas-Zigarrenfabrik sowie die Besichtigung
des
Cementerio Colón, einem Friedhof mit außergewöhnlich prächtig
ausgestatteten
Grabdenkmälern, am Programm. Nach einem Ausflug nach Cojimar, der
Kulisse für
den Roman „Der alte Mann und das Meer", einem Mittagessen im Restaurant
La Terraza Gregorio Fuentes, dem ehemaligen Bootsmann Hemingways, und
einer
Besichtigung der Finca La Vigia, dem seinerzeitigen Landhaus des
Literatur-Nobelpreisträgers, ging es schließlich Richtung Westen in die
Provinz Pinar del Rio.
Hoch über dem Valle de Viñales, mitten im besten Tabakanbaugebiet Lateinamerikas, geschützt als UNESCO-Welterbe, verweilten die Smokers-Club-Reisenden im ‚Los Jazmines’, einem der schönst gelegenen Hotels Kubas. Nach der Besichtigung einer der zahlreichen Trockenschuppen, in denen der Fermentierungsprozess der Tabakblätter beginnt, und einer Bootsfahrt in der Cueva del Indio, einer unterirdischen Höhle der von Kalksteinkegeln, so genannten Mogotes, geprägten Karstlandschaft, ging es Richtung Süden – vorbei an den Mangrovensümpfen der Halbinsel Zapata und der Bahia de Cochinos (Schweinebucht) – nach Cienfuegos. In der 2005 zum Welterbe erklärten Kolonialstadt bestechen insbesondere das aufwendig mit Marmor und Wandmalereien ausgestattete Teatro Tomas Terry, in dem Weltstars wie Enrico Caruso auftraten, und der imposante Palacio del Valle im gotischen, maurischen und neoklassizistischen Stil, auf dessen Dachterrasse die Gruppe „Cuba Libre" und andere Drinks unter sternenklarem Himmel genoss. Nach dem Besuch des Che-Guevara-Mausoleums mit der riesigen Statue des weltweit bekanntesten Revolutionärs und dem Monumento al Tren Blindado (Denkmal des gepanzerten Zuges) in Santa Clara fuhr die Gruppe weiter durch die dschungelartige Gebirgslandschaft der Sierra del Escambray nach Trinidad. Die von reichen Zuckerbaronen ausgestattete Kolonialstadt am Karibischen Meer, ehemals Hochburg des Schmuggels und Sklavenhandels, heute Welterbestadt unter dem Schutz der UNESCO, scheint in der Zeit des 19. Jahrhunderts verhaftet und in seiner Entwicklung stehen geblieben zu sein. Die recht gut erhaltenen Herrenhäuser lassen einem immer noch den Hauch der damaligen Zeit verspüren. Auch der Torre de Iznaga, der Sklaventurm im nahe gelegenen Valle de los Ingenios, dem Tal der Zuckermühlen, wirft nach wie vor einen Schatten auf die damalige Zeit, geprägt durch das weiße Gold des Zuckers und der schwarzen Sklaverei der aus Afrika verschleppten Neger.
In Camagüey scheint man sich
im Herzen Kubas zu befinden. An Stelle der gleichnamigen indianischen
Siedlung
errichtet, wurde die Stadt zum Schutz gegen die ständigen Überfälle
durch
Piraten – legendär die Plünderung durch Henry Morgan im Jahre 1668 –
als
Labyrinth angelegt. Dementsprechend spannend gestaltet sich der
Spaziergang
durch die engen, verwickelt angelegten Gassen der drittgrößten Stadt
Kubas.
Und umso mehr genießt man abends einen kühlen Cocktail in einer der
Bars auf
der Plaza San Juan de Dios. Kaum ein Platz hat sich die koloniale
Atmosphäre
derart bewahrt wie dieser.
Nach einem Abstecher zur Wallfahrtskirche von El Cobre mit der Virgen de la Caridad, der Nationalheiligen Kubas, traf die Gruppe in Santiago de Cuba, der Stadt der Musik und kulturellen Vielfalt, ein. Auch hier standen eine Menge an Sehenswürdigkeiten am Programm wie die Casa Diego Velázquez, das älteste erhaltene Haus Kubas, die ehemalige Moncada-Kaserne mit ihren Einschusslöchern aus der Zeit der Revolution, der Friedhof Santa Ifigenia mit dem Mausoleum José Martís und das hoch über der Hafeneinfahrt gelegene Castillo de San Pedro de la Roca, einer Festung aus dem 17. Jahrhundert, seit 1997 UNESCO-Welterbe.
Den Abschluss dieser zweiwöchigen Welterbe-Reise durch Kuba bildete der Strandaufenthalt auf Varadero, einem der schönsten Sand- und Palmenstrände der Karibik. Im exquisiten Restaurant der Villa Du Pont hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ein exzellentes Dinner zu sich zu nehmen und danach bei einem ausgezeichneten Cocktail und einer der nun schon bestens bekannten Habana-Zigarren die Reise durch das faszinierende Kuba Revue passieren zu lassen.
Reisebericht von Christian Schuhböck, erschienen im „SMOKERS CLUB" (2/2006), dem Magazin für Tabakgenießer